{"id":74,"date":"2019-07-03T10:35:00","date_gmt":"2019-07-03T10:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/?p=74"},"modified":"2021-10-01T18:57:46","modified_gmt":"2021-10-01T18:57:46","slug":"bericht-zur-2-netzwerk-tagung-in-salzburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/?p=74","title":{"rendered":"Bericht zur 2. Netzwerk-Tagung in Salzburg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lisa Schulze hat einen ausf\u00fchrlichen Bericht zur 2. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden im April 2019 in Salzburg geschrieben. Das Thema der Tagung war &#8222;Datenvielfalt: Potenziale und Herausforderungen&#8220;.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Datenvielfalt kann neue Perspektiven er\u00f6ffnen, Fragestellungen erweitern und Forschungsergebnisse aufwerten. Gerade in Hinblick auf interdisziplin\u00e4r angelegte Projekte wird Datenvielfalt als eine Dimension gesehen, die das Forschungsprojekt bereichert. Trotz dieser Potenziale stellt Datenvielfalt jedoch auch eine Herausforderung dar, der viele Forscherinnen und Forscher oft lieber aus dem Weg gehen. Denn wie soll das Material in seiner Vielf\u00e4ltigkeit systematisch erhoben, gespeichert und archiviert sowie intersubjektiv nachvollziehbar analysiert werden? Datenvielfalt erfordert jedenfalls einen differenzierten, vielleicht auch kreativen und innovativen Umgang statt eine \u201aone-size-fits-all\u2018-Herangehensweise. Um die mit Datenvielfalt verbundenen Potenziale und Herausforderungen zu diskutieren, trafen sich 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom 24. bis zum 26. April 2019 zur 2. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universit\u00e4t Salzburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer Begr\u00fc\u00dfung und einf\u00fchrenden Worten von Christine Lohmeier (Paris Lodron Universit\u00e4t Salzburg) und Thomas Wiedemann (Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen) machte Katharina Lobinger (USI Universit\u00e0 della Svizzera italiana) mit ihrer Keynote den Auftakt zur Tagung. Sie widmete sich dem Thema Datenvielfalt in der qualitativen Multimethoden-Forschung und stellte anhand von Beispielen aus ihrem aktuellen Projekt \u201eVisualized relationships \u2013 functions and problems\u201c \u00dcberlegungen zur Integration verbaler, visueller und mehrsprachiger Daten an. Das Projekt behandelt die Bedeutung visueller Kommunikation in dyadischen Liebes- oder Freundschaftsbeziehungen und verwendet daf\u00fcr ein Forschungsdesign, das Einzel- und Paarinterviews, Bildbesprechungen und Netzwerkzeichnungen verbindet. Zun\u00e4chst widmete sich Katharina Lobinger der Schwierigkeit, dass verschiedene Forschungsmethoden verschiedene Aspekte fokussieren und somit zu unterschiedlichen Antworten f\u00fchren d\u00fcrften. Zwar k\u00f6nnten Forschungsfragen dadurch vielschichtiger beantwortet werden, doch die Komplexit\u00e4t des Forschungsdesigns steige und gerade im Hinblick auf die Einbindung visueller Methoden m\u00fcssten forschungsethische Herausforderungen gel\u00f6st werden. Lobinger arbeitete in ihrem Vortrag neben den Herausforderungen auch Potenziale dieser multimethodischen Forschungsweise heraus, die sich aus der Integration visueller und verbaler Daten ergeben, und stellte fest, dass eben diese komplexen Daten die Chance er\u00f6ffneten, subjektive Sinnstrukturen nachzuvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erste Panel zur Bedeutung von Datenvielfalt aus theoretischer und historischer Perspektive er\u00f6ffneten Natalie Berner und Michael Meyen (LMU M\u00fcnchen) mit einem Vortrag zu \u201eDaten- und Methodenvielfalt in der kommunikationswissenschaftlichen Diskursanalyse \u2013 Umgang und Operationalisierung am Beispiel Mutterdiskurs\u201c. Im Fokus ihres Projekts steht die Frage nach der Konstruktion von Mutter und Mutterschaft im gesellschaftlichen Diskurs und deren Einfluss auf den Alltagsdiskurs. Berner stellte die Vielzahl an Daten vor, die f\u00fcr diese Fragestellung ausgewertet wurden: Zeitungsartikel, Werbespots, Parteiprogramme, Interviews, Ratgeberliteratur und viele mehr. Um Struktur und Lesbarkeit in diese Datenmenge zu integrieren, verwenden die beiden ein Analyseraster, auf das Berner im Rahmen ihrer Pr\u00e4sentation n\u00e4her einging. Sie widmete sich auch den Herausforderungen bei der Auswertung eines solchen heterogenen Datenmaterials. Im Anschluss gaben Burkhard Michel und Max Ruppert (Hochschule der Medien Stuttgart) mit ihrem Vortrag zu \u201eVielfalt der Daten, Einheit der Grundlagen\u201c Einblicke in das subjektive Erleben von Berufskraftfahrerinnen und -kraftfahrern. Ziel ihrer Forschung sind eine ethnografische Analyse der beruflichen Lebenswelt und das Herausarbeiten von Einstellungen zu Entwicklungen im autonomen Fahren. Als interdisziplin\u00e4res Forschungsteam mit Beteiligung aus der Psychologie und der Kommunikationswissenschaft entstand ein Projekt, das einerseits dem User-Experience-Ansatz folgte und andererseits das Steuerhaus des LKWs als mediatisierte Welt betrachtete. Mit theoretischem Bezug zur praxeologischen Wissenssoziologie ergaben sich unterschiedliche Forschungsmethoden und Heterogenit\u00e4t im Datenmaterial, die zu einem gro\u00dfen Gesamtbild beitrugen. Michel und Ruppert gingen dazu beispielhaft auf die Bereiche Verantwortung und Habitus ein und zeigten, dass der User-Experience-Ansatz um ethnografische Elemente erweitert werden kann. Lisa Schwaiger (Universit\u00e4t Z\u00fcrich) pl\u00e4dierte im folgenden Beitrag (\u201eSocial Network als empirischer Wirklichkeitsausschnitt f\u00fcr die qualitative Sozialforschung\u201c) f\u00fcr eine st\u00e4rkere Interpretationsleistung und einen Theoriebezug bei der Auswertung von Big Data. Zu Beginn ihres Vortrags ging sie zun\u00e4chst auf das steigende Interesse an Big Data ein. Gro\u00dfe Datens\u00e4tze, beispielsweise von Twitter, k\u00f6nnten \u00fcber API-Schnittstellen einfach heruntergeladen werden. Schwaiger merkte allerdings ein Misstrauen gegen\u00fcber solchen Datens\u00e4tzen an. Sie bildeten oft nur Ausschnitte ab, und Schwaiger stellte den Trend fest, durch Big Data nicht mehr theoriebasiert Hypothesen abzuleiten, da es mittlerweile m\u00f6glich sei, mit quantitativen Methoden aus Vollerhebungen Muster in Daten abzuleiten. Genauer sah sie die Schwierigkeit einer begrenzten Aussagekraft quantitativer Daten, wenn die Auswertung nicht auf Grundlage von Theorie geschehe. Daher ging sie auf die Integration qualitativer Methoden in der Auswertung von Big Data ein und stellte dazu ihr Dissertationsprojekt zur Netzwerkforschung vor, in dem sie quantitative und qualitative Methoden vereint, um durch Twitter-Daten alternative, oft rechtspopulistische Nachrichtenmacher und deren Vernetzung untereinander abzubilden. Zudem hielt sie fest, qualitative Methoden f\u00fcllten quantitativ erhobene Daten oft erst mit Inhalt und Big Data m\u00fcssten nicht kontr\u00e4r zu qualitativen Methoden gesehen werden. Vielmehr seien beide Str\u00e4nge als einander erg\u00e4nzend zu verstehen. Den Schlusspunkt dieses Panels setzte Erik Koenen (Universit\u00e4t Bremen). In seinem Vortrag (\u201eDaten- und Quellenvielfalt in komplexen kommunikationshistorischen Forschungskontexten\u201c) stellte er das DFG-Projekt \u201eTransnationale Kommunikationsgeschichte des V\u00f6lkerbundes in der Zwischenkriegszeit (1920-1938). Institutions-, Professions- und \u00d6ffentlichkeitssph\u00e4re des V\u00f6lkerbundjournalismus um Mehrl\u00e4ndervergleich\u201c vor. Koenens Beitrag fokussierte Quellenvielfalt als Chance und Herausforderung im Forschungsalltag und erl\u00e4uterte zun\u00e4chst, wie Daten aus Quellen generiert werden k\u00f6nnen. Die im Rahmen des Projekts genutzten Quellen (Journale, Dokumente und Akten) b\u00f6ten, so Koenen, detaillierte Erkenntnisse im Zeitverlauf und bes\u00e4\u00dfen das Potenzial, vergleichend und zusammenfassend soziale Verbindungen zu rekonstruieren. So w\u00fcrden aus Berichterstattungen zum V\u00f6lkerbund beispielsweise Daten zu Vernetzungen einzelner Beteiligten gewonnen und er\u00f6ffneten Chancen f\u00fcr Netzwerkanalysen oder k\u00f6nnten Einstiegspunkte f\u00fcr die Erforschung ausgew\u00e4hlter Biografien sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Panel war dem Umgang mit heterogenem Forschungsmaterial und Quellenreflexion gewidmet. Den Einstieg leistete Rieke B\u00f6hling (Universit\u00e4t Bremen), indem sie \u00fcber \u201eVielfalt von Daten in der Konstruktion von Erinnerung\u201c sprach und \u00dcberlegungen aus einer Studie zu (medien-)vermittelten Erinnerungen an Migrationsgeschichten in Familien anstellte. B\u00f6hling sammelte Daten, indem sie Interviews f\u00fchrte und ethnografische Elemente aus den Lebenswelten im Forschungsfeld dokumentierte. Au\u00dferdem beschrieb sie die Bedeutung eines Forschungstagebuchs f\u00fcr ihre Arbeit und ging auf die Herausforderungen von \u00dcbersetzungen unterschiedlicher Sprachen im Forschungsprozess ein. Im n\u00e4chsten Beitrag besch\u00e4ftigten sich Christina Ortner, Vera Eberdorfer und Marie Kaltenegger (Fachhochschule Ober\u00f6sterreich) mit der Frage \u201eDatentriangulation ja, aber wie?\u201c und debattierten die \u201eHerausforderungen vielf\u00e4ltiger Datenbest\u00e4nde am Beispiel einer Studie zu Recherchestrategien Jugendlicher\u201c. Entsprechend dem Prinzip der Triangulation wurden hierbei mehrere Erhebungsmethoden genutzt: Frageb\u00f6gen, Aufzeichnungen der Handynutzung, Beobachtungsprotokolle und Leitfadeninterviews. Die Forscherinnen zeichneten die Schwierigkeit nach, verschiedene Datensorten, die in unterschiedlichen Formaten vorliegen, systematisch so aufzuarbeiten, dass sie zueinander in Bezug gesetzt und schlussendlich untersucht werden k\u00f6nnen. Eine weitere Herausforderung erkannten sie in der \u00dcbertragung von Forschungsaufgaben an Externe, denn Teile der Datenerhebung wurden von vier Jugendinformationsstellen durchgef\u00fchrt und auch das Datenmanagement unterlag externen Institutionen. Ortner, Eberdorfer und Kaltenegger unterstrichen die Herausforderung, ein Team f\u00fcr die Feldarbeit zu koordinieren und zu schulen sowie die Datenschutz- und Privatsph\u00e4re-Richtlinien (etwa externer Transkriptions-Agenturen) einheitlich mit jenen aller anderen beteiligten Institutionen und Probandinnen und Probanden zu gestalten. Im darauf folgenden Vortrag widmete sich Janina Z\u00f6lch (Universit\u00e4t Hamburg) der \u201eKombination von Daten und dem Vorgehen bei der \u201aInbezugsetzung\u2018 von Generationen in der qualitativen intergenerationalen (Armuts-)Forschung\u201c. Sie verwies daf\u00fcr auf ein aktuelles DFG-Projekt, das verschiedene Erhebungsmethoden kombiniert, n\u00e4mlich Familiengespr\u00e4che und biografisch narrative Einzelinterviews verschiedener Generationen. Z\u00f6lch zeigte auf, wie Eltern- und Kinderinterviews methodisch aufeinander bezogen und intergenerational im Kontext zur Armut rekonstruiert wurden, und verdeutlichte dies anhand eines Beispiels. Sie arbeitete heraus, dass Armut innerhalb von Familien sehr unterschiedlich wahrgenommen werden kann und sich dadurch unterschiedliche Bew\u00e4ltigungsstrategien entwickeln. Im Anschluss sprach Ekkehard Knopke (Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar) \u00fcber das ambivalente Verh\u00e4ltnis von Forschungsethik und Datenvielfalt. Konkret beschrieb er seine ethnografische Arbeit in einem Bestattungsunternehmen, bei der er auch nach gro\u00dfer Datenvielfalt strebte. Knopke betonte die Herausforderungen in seinem speziellen Forschungsfeld und den darin agierenden Menschen, die oft Krisen unterliegen. Die Art und Weise der Datenerhebung sei sensibel, erkl\u00e4rte Knopke und stellte deshalb die Frage, welche Situationen \u00fcberhaupt Datenerhebungen erlaubten und welche Methoden dabei m\u00f6glich seien. Insgesamt beschrieb er Forschungsethik als einen Rahmen, der die Datenerhebung einschr\u00e4nken, aber auch er\u00f6ffnen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Auftakt f\u00fcr das dritte Panel, das sich mit den Herausforderungen bei trans- und interkulturellen Forschungsprojekten widmete, machte Thomas Herdin (Universit\u00e4t Salzburg). Sein Vortrag behandelte die Forschung im Fernen Osten und zeigte Herausforderungen bez\u00fcglich Datengewinnung, Datenanalyse und Datenqualit\u00e4t auf. Herdin bezog sich auf ein mehrj\u00e4hriges Forschungsprojekt, das sich mit inter- und transkulturellen Themen in China auseinandersetzte und qualitative mit quantitativen Methoden kombinierte. Dabei hob er die Signifikanz des Settings hervor und beschrieb, wie Habitus und pers\u00f6nliche Eigenarten sich je nach Ort und Gruppenkonstellationen \u00e4ndern k\u00f6nnen. Au\u00dferdem ging er auf die Bedeutung der Selbstreflexion aufseiten der Forschenden im Prozess der Datenerhebung ein. Im Anschluss daran sprach Birgit Breninger (Universit\u00e4t Salzburg) in einem Vortrag, der in Zusammenarbeit mit Thomas Kaltenbacher (ebenfalls Universit\u00e4t Salzburg) entstanden war, \u00fcber die Wahrnehmung und Messbar-Machung von interkultureller Kompetenz: \u201eTracking the cultural gaze: Assessing intercultural competence with visual data\u201c. Die vorgestellte Studie nutzte Verfahren wie Eye-Tracking und Frageb\u00f6gen und verband diese Daten, um ein komplexes Abbild der interkulturellen Kompetenzen zu erstellen und Unterschiede aufzuzeigen zwischen tats\u00e4chlicher interkultureller Kompetenz und Ph\u00e4nomenen wie sozialer Erw\u00fcnschtheit. Anschlie\u00dfend sprach Vivien Sommer (Leibniz-Institut f\u00fcr raumbezogene Sozialforschung) zum Thema \u201eWissen und Praktiken im deutsch-polnischen Grenzraum: Methodologisch-methodische Herausforderungen eines multimethodischen Forschungsdesigns\u201c. Sie stellte dabei das Projekt \u201eDe-Re-Bord\u201c vor, das sozialr\u00e4umliche Transformationsprozesse untersucht und f\u00fcr dessen Datenerhebung eine Vielzahl von Erhebungsmethoden eingesetzt wurde: Interviews, teilnehmende Beobachtungen, Fotografien und App-basierte Tageb\u00fccher. Mit Blick auf die Herausforderung im Forschungsalltag fokussierte Sommer auf die Integration der verschiedenen Modi von Daten, insbesondere auf die Verbindung verbaler und visueller Daten, und schlug eine Triangulation der Social Semiotics mit Verfahren der Grounded Theory vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Tag der Netzwerk-Tagung begann mit Paula Bialski (Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg) und der Keynote \u201eEthnography among data brokers: Methods and challenges\u201c. Darin stellte Bialski ihre ethnografische Arbeit in einem Berliner Software-Unternehmen vor. Sie konnte Einblicke in die Arbeits- und Lebenswelten von Developern erlangen und pl\u00e4dierte insofern eindringlich f\u00fcr die Bedeutsamkeit impliziter Daten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das folgende Panel, das die Bereiche Dateninfrastruktur und Sekund\u00e4ranalysen verband, wurde von Andreas Scheu (Universit\u00e4t M\u00fcnster) er\u00f6ffnet. In seinem in Zusammenarbeit mit Jakob J\u00fcnger (Universit\u00e4t Greifswald) entstandenen Vortrag referierte Scheu zu den Potenzialen und Limitationen automatisierter Transkription in der qualitativen Forschung und veranschaulichte, welche automatisierten Systeme f\u00fcr Transkriptionen momentan verf\u00fcgbar sind und welche Vor- und Nachteile ihre Nutzung mit sich bringt. Dazu pr\u00e4sentierte er ein Projekt, das die Ergebnisse von Transkripten unterschiedlichen Audiomaterials in verschiedenen Qualit\u00e4ten von automatisierten und manuellen Transkriptionsverfahren vorstellte und verglich. Automatisierte Transkription sei immer noch ein Pionierfeld, werde aber immer besser, so das Fazit. \u00dcber \u201eArchivierung und Datenaufbereitung als kooperative Aufgabe von Forscher*innen und Forschungsdateninfrastrukturen\u201c sprach im Anschluss Kati Mozygemba (Universit\u00e4t Bremen), die diesen Vortrag gemeinsam mit ihrer Bremer Kollegin Susanne Kretzer vorbereitet hatte. Mozygemba stelle das DFG-gef\u00f6rderte Datenservicezentrum <em>Qualiservice<\/em> vor, schilderte detailliert die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Forschung und Archivierung, ging dabei explizit auch auf die Nutzbarmachung von Daten f\u00fcr Sekund\u00e4rstudien ein und erl\u00e4uterte den Ablauf der Zusammenarbeit mit <em>Qualiservice<\/em> f\u00fcr Forschungsprojekte. Auch Ren\u00e9 Wilke (Technische Universit\u00e4t Berlin) pr\u00e4sentierte in der Folge ein System zur Archivierung von Daten. Mit seinem Vortrag zu \u201eForschungsdateninfrastrukturen f\u00fcr audiovisuelle Daten der qualitativen Sozialforschung \u2013 Bedarf und Anforderungen\u201c bot er Einblicke in <em>aviDa<\/em>, ein DFG-gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt zur Erschaffung einer Infrastruktur f\u00fcr das Management audiovisueller Daten. Auch Wilke betonte, die Sekund\u00e4rnutzung von Daten sei hinsichtlich vieler Aspekte aktueller Forschung wichtig. Die Speicherung und der Zugang m\u00fcssten lediglich an die Bed\u00fcrfnisse der Forschenden angepasst werden. Danach widmete sich Caroline Richter (Universit\u00e4t Duisburg-Essen\/Ruhr-Universit\u00e4t Bochum) dem Thema Sekund\u00e4ranalysen mit einem anderen Fokus. In ihrem Vortrag zu \u201eDatenvielfalt und qualitative Sekund\u00e4ranalysen: Perspektiven aus Forschung und Lehre\u201c legte sie ein Augenmerk auf die Herausforderungen, die datenschutzrechtlich und ethisch mit Sekund\u00e4ranalysen einhergehen k\u00f6nnen. Richter war an der Erstellung des \u201eBochumer Anonymisierungsmodells\u201c beteiligt und entwarf unter anderem ein Forschungsmodul, um Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern den Umgang mit Risiken im Datenschutz zu vereinfachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das abschlie\u00dfende Panel zu innovativen Verfahren und methodischen Weiterentwicklungen startete mit Gerrit Hummel (Universit\u00e4t Hohenheim), der \u00fcber die \u201eQualitative Comparative Analysis (QCA) als Instrument zur Triangulation qualitativer und quantitativer Daten\u201c sprach. Hummel nahm Bezug auf ein Forschungsprojekt zur Repr\u00e4sentation obdachloser Menschen in Stra\u00dfenzeitungen und stellte die QCA als eine M\u00f6glichkeit zur Verbindung von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden vor. Im n\u00e4chsten Beitrag gingen Christian Schwarzenegger, Anna Wagner und Peter Gentzel (Universit\u00e4t Augsburg) der Frage nach, wie mit der Vielfalt von Alltagsdaten kreativ umgegangen werden k\u00f6nne. Dabei gingen sie kritisch auf Medientageb\u00fccher ein und beschrieben deren M\u00f6glichkeiten und Limitationen, wenn sie in der Medien- und Kommunikationsforschung zum Einsatz kommen. Konkret legten Schwarzenegger, Wagner und Gentzel \u201eReal life inspired media diaries\u201c als multimodale Verbindung von \u201eechten\u201c und Medien-Tageb\u00fcchern dar und er\u00f6rterten ihren Einsatz beispielhaft anhand einer Studie. Anschlie\u00dfend stellten Verena Keysers und Jo Reichertz (Universit\u00e4tsallianz Ruhr) mit der Multimodalen Trajectory Analyse (MTA) eine Methode zur Analyse komplexer multizentrischer Kommunikationsprozesse vor. Sie bezogen sich dabei ebenfalls auf ein von der DFG gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt, das anhand von Beobachtungen, Interview- und Videomaterial untersucht, wie Gewaltprozesse im Kontext mit Fu\u00dfballspielen entstehen und eskalieren. Die Methode der MTA erlaubte es ihnen hier, multizentrisch, multimodal und interdependent ablaufende Prozesse als Forschungsteam systematisch zu untersuchen. Im letzten Vortrag sprach Julian Windscheid (Technische Universit\u00e4t Ilmenau) \u00fcber die \u201eKomplexit\u00e4t von 360\u00b0-Aufzeichnungen in der qualitativen Sozialforschung\u201c. Windscheid ging dabei auf die 360\u00b0-Videografie als Teil des Forschungsequipments ein und beleuchtete ihre Eigenschaften sowie ihre Vor- und Nachteile im Vergleich zur herk\u00f6mmlichen Kamera.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vielfalt von Themen und Teilnehmenden aus verschiedenen Disziplinen an der 2. Tagung des Netzwerks Qualitative Methoden in Salzburg machten nicht nur deutlich, dass Datenvielfalt ein omnipr\u00e4sentes Ph\u00e4nomen ist. Ersichtlich wurde auch, dass Datenvielfalt&nbsp; ein Thema ist, das qualitative Forschung nicht aus den Augen lassen sollte. Die Vortragenden und die anschlie\u00dfenden Diskussionen offenbarten gleicherma\u00dfen Chancen und Herausforderungen und boten vielfache Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung und Integration in die eigene Forschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verfasserin: Lisa Schulze (Universit\u00e4t Salzburg)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lisa Schulze (Universit\u00e4t Salzburg) hat ein ausf\u00fchrliches Fazit zur diesj\u00e4hrigen Tagung des Netzwerks in Salzburg gezogen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-74","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-publikation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=74"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":283,"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/74\/revisions\/283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=74"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=74"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.netzwerkqualitativemethoden.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=74"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}